Jugendämter kümmern sich umHilfe­
leistungen, wenn sie Informationen
von solchen Familien von der Schule,
Nachbarschaft bekommen oder aber
Familien sich selber melden, dass die
Belastungen zu groß sind bzw. wer-
den. Wir, das Vorarlberger Kinderdorf
sind diejenigen, die diese Unterstüt-
zung in unterschiedlichster Form
anbieten. Wir haben eine Krisensta-
tion, wo alle Kinder, von der Geburt
bis 14 Jahre, aufgenommen werden,
immer wieder auch gemeinsam mit
den Müttern. Es sind spontane Krisen
vorhanden! Wir sind bemüht, den
Kindern eine verbesserte Situation
nach einer sehr bewegten, sehr kri-
senhaften Zeit, nach Traumatisie-
rungen zu geben. Wir versuchen ent-
weder eine Rückführung zu den
Eltern zu machen oder müssen andere
Formen der Unterbringungen für sie
finden, weil die Eltern langfristig aus-
fallen.
?
Wie viele sindbei euchbeschäftigt?
!
Wir haben 200 MitarbeiterInnen
für die Betreuung der ungefähr 2000
Kinder und es sind zum größten Teil
Sozialpädagoginnen, Sozialarbeite-
rinnen, Psychologinnen, Psychothe-
rapeutenInnen und natürlich auch
Kinderdorfmütter und Familienhelfe-
rinnen.
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Wie seid ihr finanziert?
!
Das Kinderdorf ist seit 60 Jahren
in Vorarlberg tätig und schon seit
Beginn waren Spenden ein beson-
ders wichtiger und tragender Teil. Wir
finanzieren über Beiträge und Unter-
stützungen von der Bevölkerung,
und von Firmen unsere Kinderdorffa-
milien. Zu einem großen Teil benöti-
gen wir die Gelder für unsere Kinder-
dorfmütter und für die Häuser, dass
wir die private Atmosphäre für die
Kinder erhalten können. Der Rest
wird zum größten Teil über die
Jugendämter finanziert, indem sie
uns Tagessätze bzw. Stundensätze
für die von uns angebotenen Dienst-
leistungen zahlen.
?
Du bist vom Land abhängig. – in
gewisser Weise?
!
Aber umgekehrt auch.
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Was macht dir in deinem Job am
meisten Spaß?
!
Am meisten Spaß macht mir
die ständige Gruppendynamik bei
uns. Jeder Tag ist für mich und alle
unsere MitarbeiterInnen erfüllt mit
Begegnung mit anderen Menschen.
Es ist eine ständige Herausforderung
an sich selber. Es wird nie langweilig.
Es ist immer eine große Herausforde-
rung, wenn man mit Kindern zu tun
hat. Wir müssen schauen, dass nicht
der Frust vomSchwierigen imVorder­
grund steht, sondern dass die Freude
und der Spaß immer wieder da sind.
Dies funktioniert nur, wenn man sich
gemeinsam austauscht, gemeinsam
auf den Weg geht, Teamgefühl hat.
Das ist das Schöne an unserer Arbeit,
dass man immer dabei ist, eine
gemeinsame Aufgabenstellung hat.
?
Wenn du einen Wunsch hättest,
was würdest du am System ändern?
!
Das Wichtigste wäre, dass wir
eine kinder- und familienfreundliche
Gesellschaft wären, die Kinder nicht
nur an dem misst, was sie an Leis­
tung bringen, sondern an dem was
sie an Persönlichkeit einbringen.
Zudem unsere Welt ein Stück dem
anpassen, was Kindern guttut. Das
würde uns Erwachsenen auch gut-
tun. Da geht es um Freundschaften
pflegen,
sinnorientierte
Sachen
machen. Unsere Welt orientiert sich
sehr nach den Erwachsenen. Es geht
um Umsatz, Geld verdienen, intellek-
tuelle Leistungen. Dies alles steht zu
sehr im Vordergrund.
Du stehst vor Gott: Deine erste Frage?
Wonach bist du süchtig?
Wenn du etwas an dir ändern könntest, was wäre es?
Wenn du einen Tag lang dieWelt regie­ren könntest,
was würdest du ändern?
Warum ist Sein und viel mehr nicht Nichts? Und was ist
dann der Sinn des Lebens, wenn das Leben mit demTod
endet, oder???
Liebe (vor allem min Schatz), Geborgenheit, Leben,
Sport, Essen und vieles mehr!
Meine Fehler auf ein Minimum reduzieren und meine
Sensibilität für Mitmenschen maximieren!
Ich würde alle Kriege und Ungerechtigkeiten auf unserer
Erde beenden und dafür sorgen, dass alle Menschen in
Freiheit, Frieden und Zufriedenheit besser miteinander
leben können!
Vielfach geht es um Gewalt,
Vernachlässigung, aber auch
um sexuellen Missbrauch.
Das Wichtigste wäre, dass wir
eine kinder- und familien-
freundliche Gesellschaft
wären.