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sich von seinem Partner trennen zu
müssen? Und wenn das passiert, ist die
finanzielle Decke schnell zu kurz und
der Schritt an oder unter die Armuts-
grenze ein kleiner. Ich weiß von vielen
Alleinerziehenden, welchen Spagat sie
täglich machen müssen, um halbwegs
über die Runden zu kommen. Wenn
dann auch nur das Geringste passiert,
geht es sich finanziell nicht mehr aus.
Und dazu kommenmeist die Schamvor
den anderen, die Angst vor der Zukunft
und der Stress vorVersagensängsten.
?
Waswürdest dumachen, umdies zu
verändern?
!
Wir brauchen Löhne, von denen
die Menschen auch leben können. Wir
brauchen ein Bildungssystem, das eine
Panoramastraße und keine Sackgas-
se ist; und zwar für alle. Wir brauchen
gute Unterstützungen für Menschen,
die nicht die Leistungsfähigkeit haben
die es braucht, um ganz oben mitzu-
mischen. Wenn es gelingt, Kinder zu
selbstbewussten Menschen zu erzie-
hen, hätten wir viele Probleme nicht.
Natürlich würden mir jetzt viele gesetz-
liche Veränderungen einfallen. Aber ich
glaube, das würde den Rahmen dieses
Interviews sprengen.
?
Wie lange machst du diesen Job als
Leiter der ifs-Schuldenberatung?
!
Ich bin seit 1990 Geschäftsführer
der ifs-Schuldenberatung. Und es hat
noch keinen Tag gegeben, an dem ich
es nicht gerne getan hätte. Es ist auch
ein Privileg, eine Arbeit tun zu dürfen,
vondermanüberzeugt ist, dass sie sinn-
voll und nützlich ist.
?
Wie sieht eure Kundenklientel aus?
Sindes eher jüngereoder ältereMenschen,
die zu euch kommen, mehr inländische
oder ausländischeMitbürgerInnen?
!
Zu uns kommen Menschen aus
allen Altersgruppen und Nationalitäten.
Schulden sind alterslos und schauen
nicht auf den Pass. Die Mehrzahl sind
aber zwischen 25 und 45 Jahre alt –
Menschen in den besten Jahren. Und
wir beraten immer noch mehr Männer
als Frauen. Wobei bei den jüngeren Kli-
enten Frauen aufholen.
?
Ichmöchte dir jetzt noch Fragen stel-
len, die mich persönlich interessieren: Ent-
springt deine Kundenklientel einer ganz
bestimmtenGesellschaftsschicht?Was ich
meine ist, kann es sein, dass man schon
in eine bestimmte Armutsgruppe hinein-
geboren wird und keine oder nur wenige
Möglichkeiten hat, dieser zu entkommen?
Kann es sein, dass duMenschen, die in die
Schuldenfalle treten, aber eben nicht aus
dieser Gruppe kommen, gar nicht zu Ge-
sicht bekommst?
!
Die meisten kommen aus unteren
Einkommensschichten. Aber natürlich
trifft Überschuldung auch Reiche. Für
die ist es oft schwieriger, mit uns Kon-
takt aufzunehmen, weil für diese Men-
schen der Abstieg ein größerer ist. Dann
gibt es zwar immer noch die Attribute
des Reichtums; ein großes Auto, gute
Kleidung, eine tolle Wohnung. Es reicht
aber nicht mehr, um das alles zu finan-
zieren und zu bezahlen. ZumTeil haben
wohlhabende SchuldnerInnen aber
bessere Hilfsnetze, die ein Scheitern auf-
fangen. Bei ärmeren KlientInnen ist das
nicht möglich. Da hat auch das Umfeld
nichts und kannnicht einspringen. Aber
wir machen keinen Unterschied. Wer
auch immer zu uns kommt, bekommt
die gleiche Dienstleistung und Unter-
stützung. Es ist ja auch nicht unsere
Aufgabe, mit erhobenem Zeigefinger
mit den Leuten zu reden. Wer finanziell
gescheitert ist, der hat genug damit zu
tragen. Der braucht Hilfe und professio-
nelle Begleitung.
?
Wenndu einenWunsch frei hättest –
also auf deinen Beruf bezogen –waswäre
das?
!
Wünschenwürde ichmir, dassman
Menschen, die aus welchen Gründen
auch immer, in die Schuldenfalle ge-
tappt sind, nicht auch nochmit Vorwür-
fen überschüttet. Jeder hat eine zweite
und manche sogar eine dritte Chance
verdient. Wenn man die Geschichten
kennt, die hinter denMenschen stehen,
weiß man, dass da oft viel mehr Ver-
zweiflung als eigene Schuld dahinter
steht.
Lieber Peter, ich danke dir für das net-
te Gespräch und die Einblicke in deine
Arbeit. Ich wünsche dir alles Gute und
weiterhin viel Erfolg bei deiner Arbeit.
KREISPUNKT
Interview
MARLENE PATERNO
Was bedeutet KREISPUNKT für dich?
Dein Lebensmotto?
Wiedergeboren als Tier wärst du ...
Jeder Mensch hat einen Tick….
Wobei wirst du rot?
Was wäre deine Henkersmahlzeit?
Ein Ort, an dem ichmich wohlfühle:
Was würdest du gerne erfinden?
Da fühle ich mich wohl und möchte ,dass es meinen
Kolle­gen und Patienten auch so geht.
Mit Humor geht alles besser!
ein Adler.
Kann nicht ohne Frühstück aus dem Haus.
Da gibt’s verschiedenste Gründe, aber zum Glück immer
weniger!
Ich brächte nichts hinunter.
Mein Zuhause.
Eine umweltfreundliche Alternative zu Öl und Gas.