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?
Was genau ist deine Aufgabe im
Heim?
!
Ich habe die Leitung der Pflege-
station im Seniorenheim Tschermak-
garten und bin für 18 Bewohner mit
der Pflegestufe 6 – 7 verantwortlich.
Ebenso leite ich die Koordination der
interdisziplinären Zusammenarbeit
mit Ärzten, Physiotherapeuten, Kran-
kenkassen, Krankenhäusern, Sachwal-
tern usw. zumWohle des Bewohners.
Natürlich pflege ich auch einen sehr
inten­siven Kontakt mit den Angehö-
rigen unserer Bewohner, nur so ist es
uns möglich, unsere Bewohner ganz-
heitlich zu betreuen und Lebensqua-
lität für sie zu schaffen.
?
Was genau war der Kursinhalt?
!
IPassive Bewegungsübungen,
Kontrakturenprophylaxe und Mobili-
sation. Mir ist es wichtig, dass mein
ganzes Team dieselbe Basis beim Be-
rühren und Bewegen unserer Be-
wohner hat. Bei unseren Bewohnern
müssen täglich alle Gelenke durch-
bewegt werden, sonst entstehen Be-
wegungsdefizite.
Durch diesen Kurs wurden sehr viele
Unsicherheiten beseitigt, auch ist
eine neue Motivation und Freude im
Team zu spüren. Unsere Bewohner
(
Wachkomapatienten) werden am
Vormittag im Rahmen der Grundpfle-
ge oder am Nachmittag durch ge-
plante Aktivierung passiv bewegt. Eine
deutliche Verbesserung der Kontrak-
turen ist sichtbar.
?
Wie sieht für dich eine gute Zu-
sammenarbeit mit der Physiotherapie
aus?
!
So wie wir sie seit bald einem
Jahrmit euchpraktizieren!
Wöchent­
lich fachlich kompetenter Austausch
zwischen Pflege und Physiotherapie.
Individuelles Therapie­konzept für die
Bewohner.
?
Was wäre aus deiner Sicht not-
wendig, um eine gute Pflege auch in
Zukunft gewährleisten zu können?
!
Viele motivierte und gut ausge-
bildete Fachkräfte! Zeit für die Be-
wohner, vielleicht durch einfachere
Dokumenta­tion­systeme, -Programme.
Klare Kompetenzbereiche, in denen
der Bewohner im Mittelpunkt steht,
und nicht die Administration.
?
Wenn ein Heimbewohner stirbt,
wie gehst du damit um?
!
Wir kennen unsere Bewohner
oft schon über Jahre und natürlich
hängt man an diesem Menschen.
Aber meist haben wir die Chance, un-
sere Bewohner und ihre Angehörigen,
im Sterbeprozess zu begleiten. Es ist
oft ein Abschiednehmen, das natür-
lich auch mit Tränen und Schmerz ver­
bunden ist. Gespräche im Team und
mit den Angehörigen tragen viel zur
Bewältigung der Trauer bei.
?
Wie wichtig ist das familiäre Um-
feld der Heimbewohner für den Wohl-
fühlfaktor?
!
Sehr wichtig, dies erleichtert
unsere tägliche Arbeit.
?
Immer wieder sind Pflegeheime
in die Schlagzeilen geraten. Wie fühlst
du dich dabei?
!
Eine sehr schwierige Frage.
Meine Antwort würde den Rahmen
dieses Interviews sprengen.
?
Wobei findest du Abstand zu dei-
nem Beruf?
!
Zu Hause bei meiner Familie
und im Garten.
Alles Gute für dich und deine
Arbeit, wünscht dir das Team von
KREISPUNKT.
HANDWERK
iN pflegeheimEN
Pitscheider Bettina
Stationsleitung im Seniorenheim Tschermakgarten
Pitscheider Bettina ist diplomierte Gesundheits- und Kran-
kenpflegerin mit Zusatzausbildung in Anästhesie und
Inten­sivpflege. Seit zwei Jahren leitet sie die Pflegestation im
Senio­renheim Tschermakgarten in Bregenz. Zu ihren Aufga-
ben zählen neben der Organisation der Station vor allem die
Dokumentation und die Mitarbeiterführung. Darüber hinaus
gilt es auch die Angehörigen zu betreuen.
KREISPUNKT
Interview